Rede des Solidaritätsnetzwerks der Betroffenen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt anlässlich des zehnten Jahrestages des Anschlags auf das Münchner OEZ am 22.07.2026

Das Solidaritätsnetzwerk ist ein bundesweiter Zusammenschluss von derzeit rund 25 selbstorganisierten Betroffeneninitiativen. Im Netzwerk sind Überlebende und Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, die sich gegenseitig stärken, ihre Erfahrungen sichtbar machen und gemeinsam für Gerechtigkeit kämpfen. Anlässlich des zehnten Jahrestages des Anschlags auf das Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) am 22.07.2016 hat das Solidaritätsnetzwerk auf der Gedenkveranstaltung in München am 22.07.2026 eine Rede gehalten. Im Folgenden findet sich die Rede in vollständiger Fassung.

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Solingen.

Wiedersdorf.

Kennen Sie diese Orte?

Kennen Sie die Menschen, deren Leben dort gewaltsam beendet wurde?

Kennen Sie ihre Geschichten?

Diese Orte stehen für eine Geschichte, die sich über Jahrzehnte zieht.

Für rechten Terror.

Für rassistische und antisemitische Gewalt.

Für tödliche Polizeigewalt.

Und für Betroffene und Angehörige, deren Kampf um Anerkennung, Aufklärung und Gerechtigkeit oft erst nach der Tat beginnt.

Wir stehen heute hier, weil wir erinnern.

Wir erinnern an Menschen, die ihr Leben verloren haben. Wir erinnern an ihre Familien, Freund*innen und Angehörigen. Hinter jedem Namen steht ein Mensch. Hinter jedem Namen bleibt eine Lücke.

Unsere Geschichten sind unterschiedlich.

Doch unsere Erfahrungen ähneln sich.

Zu oft werden die Hintergründe einer Tat verkannt oder erst spät anerkannt.

Zu oft müssen Betroffene und Angehörige selbst für Aufklärung kämpfen.

Zu oft bleiben Fragen unbeantwortet.

Zu oft werden Fehler und Versäumnisse nicht konsequent aufgearbeitet.

Deshalb haben wir uns zusammengeschlossen.

Nicht, weil wir das wollten.

Sondern weil wir es mussten.

Statt ungestört trauern zu können, schaffen wir Erinnerungsorte.

Wir leisten Bildungsarbeit.

Wir beraten andere Betroffene.

Wir dokumentieren.

Wir erinnern.

Wir kämpfen für Anerkennung, Aufklärung und Gerechtigkeit.

Aufgaben, die nicht allein auf den Schultern der Betroffenen liegen dürfen.

Unsere Forderungen sind klar:

Konsequente Aufklärung.

Die Anerkennung der Perspektiven von Betroffenen und Angehörigen.

Transparenz.

Verantwortungsübernahme.

Und die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen.

Denn Verantwortung tragen wir alle.

Politik.

Behörden.

Justiz.

Medien.

Bildungseinrichtungen.

Und jede und jeder Einzelne von uns.

Erinnerung endet nicht mit einem Gedenktag.

Sie zeigt sich darin, ob wir zuhören.

Ob wir Betroffenen glauben.

Ob wir handeln.

Wir sind das Solidaritätsnetzwerk der Betroffenen rechter, rassistischer, antisemitischer und polizeilicher Gewalt. Hinter diesem Namen stehen über 25 Betroffeneninitiativen und Angehörigenzusammenschlüsse aus ganz Deutschland. Unterschiedliche Geschichten – ein gemeinsamer Kampf: Erinnerung. Aufklärung. Anerkennung. Gerechtigkeit.

Wir stehen heute nicht nur nebeneinander.

Wir stehen füreinander.

Vielen Dank