Hintergrund der Gründung:
In den frühen Morgenstunden des 18. Januar 1996 brannte die Asylbewerber*innen-Unterkunft in der Hafenstraße 52 in Lübeck. Sieben Kinder und drei Erwachsene kamen hierbei ums Leben. 39 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Trotz eines konkreten Tatverdachts gegenüber vier Neonazis und mehrfacher Geständnisse weigerten sich die Ermittlungsbehörden, diesem Verdacht nachzugehen, so dass es bis heute keine verurteilten Täter*innen gibt. Ein rassistisches Tatmotiv wurde nie verfolgt, stattdessen wurde gegen einen Bewohner der Hafenstraße, also ein Opfer des Anschlags, ermittelt.
Die Initiative Hafenstraße´96 ist vor einigen Jahren aus dem Lübecker Flüchtlingsforum hervorgegangen, das von Menschen gegründet wurde, die sich seit Januar 1996, unmittelbar nach dem rassistischen Brandanschlag in der Lübecker Hafenstraße, für die Rechte der Bewohner*innen und die Aufklärung der Tat einsetzten.
Ziele und Aufgaben:
Die Aktivist*innen der Initiative leben in und um Lübeck und verstehen das Erinnern, Gedenken und Mahnen an die Menschen aus der Hafenstraße 52 als Teil ihres politischen Erbes. Jährlich veranstalten sie um den Gedenktag herum mehrere Veranstaltungen in und um Lübeck. Diese bestehen aus dem Gedenken am Ort des Geschehens, Demonstrationen, Informations- und Diskussionsveranstaltungen, Ausstellungen und kulturellen Veranstaltungen. Die Initiative versucht den Kontakt zu den Überlebenden und Familienangehörigen zu halten und die Veranstaltungen gemeinsam mit ihnen oder in ihrem Interesse zu gestalten.
Am 18.01.2026 fand in Lübeck im Rahmen des 30. Jahrestages des rassistischen Brandanschlags eine Gedenkveranstaltung statt, an der über 650 Menschen teilnahmen. Das erste Mal seit vielen Jahren nahmen viele Überlebende und ihre Familien teil, von denen sich manche das erste Mal seit 1996 wiedertrafen. Ein ruhiger Rahmen nach dieser Veranstaltung ermöglichte es den Familien, Kontakte und Gespräche wieder aufzunehmen, um den Kampf um Gerechtigkeit gemeinsam fortzuführen. Zum 30. Jahrestag schickten andere Betroffeneninitiativen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt aus ganz Deutschland Grußworte an die Angehörigen und die Initiative.
Zum 30-jährigen Gedenktag wurde durch die Initiative zudem die norddeutschlandweite Kampagne #zeitzureden gestartet. Ziel dieser Kampagne ist es, Menschen zu erreichen, die über Wissen zu dem Brandanschlag verfügen, das bei den damaligen Ermittlungen entweder nicht bekannt war oder nicht berücksichtigt wurde. Sie sollen ermutigt werden, ihr Wissen weiterzugeben.
Die Initiative arbeitet unter anderem durch diesen Kampagnenaufruf intensiv an einer erneuten Aufnahme der Ermittlungen, in denen das rassistische und menschenfeindliche Tatmotiv im Vordergrund steht. Gemeinsam mit den Überlebenden und auch den Produzent*innen der Webdokumentation „Gegen uns“, die einen Online- und Videobeitrag zum Brandanschlag in der Hafenstraße erstellt haben, kämpft die Initiative Hafenstraße´96 um die Übernahme der Ermittlungen durch die Generalbundesanwaltschaft. Des Weiteren wird seit Jahren ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss in Schleswig-Holstein gefordert, in dem die Ermittlungen, die Nichtaufklärung und die zahlreichen Skandale untersucht werden sollen.
Auf der Webseite der Initiative wird fortlaufend an einer umfangreichen Dokumentation des Geschehenen, der Ermittlungen, der Prozesse und der Berichterstattung gearbeitet. Zudem werden dort aktuelle Aktionen und Veranstaltungen der Initiative beworben.