Oury
Jalloh

07. Januar 2005

Dessau

Leben von Oury Jalloh

Oury Jalloh wurde 1968 in Sierra Leone geboren und floh wegen des Bürgerkriegs zunächst nach Guinea, dem Heimatland seiner Eltern. Seine Angehörigen legten Geld für ihn zusammen, um nach Europa zu gehen und dort ein besseres Leben zu führen. Daraufhin beantragte er in Deutschland Asyl.

Zum Zeitpunkt seines Todes lebte er als Asylbewerber überwiegend in Sachsen-Anhalt, unter anderem in Dessau, wo er Asyl beantragt hatte. Oury Jalloh war auch Vater eines zweijährigen Sohnes. Oury Jalloh wurde als eine multikulturelle Person mit Verbindungen in verschiedenste Kreise, vor allem zum Fußball, beschrieben. Jede Woche kam er mit neuen Personen zum Beispiel aus Vietnam, Russland oder auch Deutschland in das Internetcafé eines Freundes.

Formen des Gedenkens

Angehörige und Aktivist*innen kämpfen dafür, dass Oury Jallohs Tod als rassistischer Mord anerkannt wird und dass der Wahrheit und Gerechtigkeit Genüge getan wird.

Oury Jallohs Bruder, Mamadou Saliou Diallo, hat unter anderem mehrfach Strafanzeige erstattet, um der Wahrheit näherzukommen. Die juristische Aufarbeitung zog sich über viele Jahre und dauert bis heute an. 2017 wurden die Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Dessau eingestellt. Sechs Jahre später, 2023, hat Mamadou Saliou Diallo eine Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Beschwerde eingereicht.

Der Kampf geht weiter. Momentan ist eine neue Initiative in Arbeit: Initiative Oury Jalloh – In Gedenken, Erinnerung, Aufklärung und Widerstand. Diese stellt die Perspektive der Angehörigen in den Vordergrund und kämpft weiter.

 

Was ist geschehen

Diese Gedenkchronik thematisiert rechte, rassistische und antisemitische Gewalt, einschließlich spezifischer Vorfälle, Hintergründe und Folgen. Die Inhalte können belastende Beschreibungen von Gewalt, Diskriminierung und Leid enthalten.

Im folgenden ausklappbaren Abschnitt „Beschreibung der Tat“ werden konkrete Gewalttaten geschildert. Wir möchten Betroffene und Leser*innen daher darauf hinweisen, dass die Auseinandersetzung mit diesen Inhalten retraumatisierend wirken kann. Bitte prüfen Sie vor dem Zugriff auf die Inhalte, ob Sie sich mental und emotional in der Lage fühlen, sich mit solchen Themen auseinanderzusetzen und tun sie dies ggf. nicht allein.

Am 07.01.2005 wurde Oury Jalloh zunächst aufgrund angeblicher Belästigung einer Frau und mutmaßlichem Alkoholkonsums festgenommen und in einer Zelle der Polizeidienststelle Dessau an Händen und Füßen gefesselt. Kurze Zeit später brach in der Zelle ein Feuer aus, bei dem Oury Jalloh starb. Sowohl die Polizei als auch die Behörden behaupteten, Oury Jalloh hätte das Feuer selbst gelegt und Suizid begangen – obwohl seine Hände und Füße auf einer kleinen, am Boden der Zelle fixierten Matratze gefesselt waren.

Zum Tod von Oury Jalloh wurden mehrere unabhängige Gutachten erstellt. Ein Gutachten aus dem Jahr 2019 vom Rechtsmediziner und Radiologie-Professors Boris Bodelle von der Universitätsklinik Frankfurt bestätigt neben dem bisher bekannten Nasenbeinbruch auch Schädelbrüche und einen Rippenbruch (Jakob, 2019). Ein weiteres Gutachten des britischen Sachverständigen Iain Peck aus dem Jahr 2021 kam zu dem Schluss, dass die Tat ohne Brandbeschleuniger nicht möglich gewesen wäre (Jakob, 2021). Andere Beweismittel sind verschwunden, während ein Feuerzeug hinzugefügt wurde, das in keinem Zusammenhang mit dem Vorfall stand.

Quellen

Jakob, C. (2019, 28. Oktober). Neue Erkenntnisse im Fall Oury Jalloh: Brüche und Entzündungen. taz.de. https://taz.de/Neue-Erkenntnisse-im-Fall-Oury-Jalloh/!5636402/

Jakob, C. (2021, 3. November). Fall Oury Jalloh: Brandsimulation stützt Mordthese. taz.de. https://taz.de/Fall-Oury-Jalloh/!5809374/