20 Jahre: Solidarität statt Schlussstrich – Gedenken an Mehmet Kubaşık

In Erinnerung an Mehmet Kubaşık und alle Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt – Tag der Solidarität

“20 Jahre und immer noch keine Aufklärung”

  • April 2026, um 15Uhr
  • Mallinckrodtstr 190, Dortmund
  • Schweigemarsch zum NSU -Mahnmal (Nordausgang DO Hbf). Dort findet die Kundgebung statt.

Was ist geschehen?
Am 4. April 2006 wird Mehmet Kubaşık in seinem Kiosk in der Dortmunder Nordstadt ermordet. Er ist eines von zehn Todesopfern des NSU.

Der Kiosk war Teil des Familienalltags. Mehmet Kubaşık war in der Nachbarschaft – vor allem bei Kindern – wegen seiner großzügigen Ausgabe von Süßigkeiten sehr beliebt.

Doppelte Viktimisierung

Direkt nach der Tat geraten die Angehörigen in den Fokus der Ermittlungen.Sie werden getrennt voneinander verhört. Es wird nach angeblichen Verbindungen zu Kriminalität gesucht. Die Familie wird öffentlich verdächtigt und über Jahre stigmatisiert. Rassistische Annahmen prägen die Ermittlungen. Dieses Versagen wurde erst mit der Selbstenttarnung des NSU öffentlich.

Wissen der Betroffenen

“Wir hatten ziemlich bald den Verdacht, dass es nur Rechtsradikale gewesen sein könnten, die hinter der Mordserien steckten. Aber die Polizei hat uns immer wieder geantwortet: Ausgeschlossen. Dafür gibt es keine Beweise.” Gamze Kubaşık

Schon 2006 organisierten Angehörige selbst Proteste. Bei den Demonstrationen in Kassel und Dortmund forderten sie: Kein weiteres Opfer. Sie vernetzen sich, sprechen miteinander, benennen den Zusammenhang der Taten. Die Perspektive der Betroffenen ist früh klar – sie wird (zu) lange ignoriert.

Die Familie fordert bis heute:

  • vollständige Aufklärung des Netzwerks
  • Aufklärung über Unterstützer*innen vor Ort
  • Transparenz über Wissen von Behörden
  • strukturelle Änderungen im Umgang mit Betroffenen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.

Auch nach Prozessen und Untersuchungsausschüssen bleiben zentrale Fragen offen. Viele der Maßnahmen, die in den Untersuchungsausschüssen empfohlen wurden, sind bis heute nicht umgesetzt worden.

“Ich möchte Gerechtigkeit für meinen Vater, für die Familien, für alle anderen Mordopfer. Ich möchte Aufklärung und ich möchte Konsequenzen.” Gamze Kubaşık

Erinnern heißt: Perspektiven der Betroffenen sichtbar machen

“Wir leben in einer Zeit, in der der rechte Druck immer größer wird – in den Parlamenten in den Köpfen. Es ist für mich wichtig, immer wieder zu sagen, dass wir uns nicht spalten lassen sollen. Wir müssen zusammenhalten, wir müssen laut werden, wir müssen dagegenstehen” Gamze Kubaşık

Gamze Kubaşık engagiert sich seit vielen Jahren in der Erinnerungs- und Bildungsarbeit zum NSU-Komplex, spricht als Zeitzeugin in Schulen und Öffentlichkeit über die Perspektive der Angehörigen.

Einmal jährlich organisiert sie zusammen mit der Initiative Tag der Solidarität – Kein Schlussstrich ein Kinderfest: Es schafft einen Raum, in dem gemeinsam gespielt wird, während gleichzeitig an Mehmet Kubaşık erinnert und eine solidarische Nachbarschaft sichtbar gemacht wird. Dieses Jahr findet das Kinderfest am 2. Mai von 14-18 Uhr auf dem Mehmet-Kubaşık-Platz.